Anlässlich der heutigen Gruppenauslosung für die Fussball-Weltmeisterschaft vom kommenden Jahr in Südafrika gestatte ich mir mal einen unpolitischen Blogeintrag.
200 Nationen aus sechs Konföderationen haben in 853 Spielen bei 2′344 erzielten Toren die 31 Mannschaften ermittelt, welche im kommenden Jahr (11. Juni – 11. Juli) zusammen mit Gastgeber Südafrika um die Krone im Weltfussball spielen werden. Erster Höhepunkt jeder Fussball-Weltmeisterschaft ist der “Final Draw”. Danach wissen Spieler, Trainer und Fans, gegen welchen Gegner ihre Mannschaft zu welcher Zeit an welcher Spielstätte zu bestehen hat, um den Traum vom Weltmeistertitel zu verwirklichen. 189 Tage vor dem Kickoff ist dieser Event der offizielle Startschuss zum grössten Sportereignis des kommenden Jahres.
Zur Ermittlung der Gruppen wurden die 32 Mannschaften vier Lostöpfen zugeteilt, wobei jeder der acht Gruppen eine Mannschaft aus jedem Lostopf zugelost wird. Mal abgesehen von den Europäischen Teilnehmern dürfen nicht zwei Mannschaften desselben Kontinentes einer Gruppe angehören. Gastgeber Südafrika wurde als Gruppenkopf der Gruppe A gesetzt und befindet sich zusammen mit den sieben stärksten Mannschaften gemäss FIFA-Weltrangliste in Topf 1. Die Schweiz wurde mit den übrigen europäischen Teilnehmern dem Topf 4 zugeteilt.
Topf 1: Südafrika, Brasilien, Spanien, Holland, Italien, Deutschland, Argentinien, England.
Topf 2: Australien, Japan, Nordkorea, Südkorea, Honduras, Mexiko, USA, Neuseeland.
Topf 3: Algerien, Kamerun, Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria, Chile, Paraguay, Uruguay.
Topf 4: Schweiz, Frankreich, Dänemark, Griechenland, Portugal, Serbien, Slowakei, Slowenien.
Die Schweizer Delegation in Südafrika hofft auf eine Auslosung, bei welcher die Qualifikation für das Achtelfinale im Bereich des Möglichen liegt. Aber Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld gibt im Interview mit SF-Online auch zu Protokoll: “Man darf sich nicht zu viele Gedanken machen und Kraft vergeuden, wie es kommen könnte”, denn man könne es ja nicht selber beeinflussen. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle mal einen Ausblick wagen und den Idealfall sowie das Horrorszenario aufzeigen, welches auf die Schweizer Nationalmannschaft zukommen könnte.
Die Traumgruppe würde m.E. aus den Gegnern England, Neuseeland und Paraguay bestehen. Entgegen vieler Kommentatoren erachte ich Südafrika keineswegs als Wunschgegner für die WM. Mit dem eignen Publikum im Rücken werden sie auch für grosse Nationen zu einem ganz harten Brocken bei dieser ersten Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden. Von den weiteren Nationen in Topf 1 scheint England die lösbarste Aufgabe zu sein. Obwohl der letzte Sieg am 30. Mai 1981 (WM-Qualifikation; 2:1; in Basel) errungen werden konnte, hat die Schweiz in jüngster Vergangenheit gegen die Insulaner meistens ordentlich gespielt. Ein Unentschieden wie beim EM-Eröffnungsspiel am 8. Juni 1996 im alten legendären Wembley-Stadion in London dürfte also durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Neuseeland hat bisher erst einmal (1982) an einer Weltmeisterschafts-Endrunde teilgenommen und dürfte nicht nur aufgrund der relativ einfachen Qualifikationsgegner nach dem Abwandern von Australien in die Asien-Qualifikation die schwächste Mannschaft in Topf 2 sein. Im dritten Topf gehören die afrikanischen Mannschaften (insb. die Elfenbeinküste, die 2006 in Deutschland attraktiven Fussball gezeigt hat und in der jüngsten Qualifikation kein einziges Spiel verloren hat) zu den Geheimfavoriten. Die Tatsache, dass die Endrunde auf ihrem Kontinenten stattfindet, dürfte diese Mannschaften noch zusätzlich motivieren. Von den verbliebenen Südamerikanischen Mannschaften, ziehe ich Paraguay, das die Südamerika-Qualifikation noch vor Argentinien auf dem dritten Platz abgeschlossen hat, Uruguay vor, obwohl sich dieses erst in den Barrage-Spielen gegen Costa Rica durchsetzen konnte.
Der möglichen Horrorgruppe würden Spanien, Mexiko und die Elfenbeinküste angehören. Spanien hat seit dem Titel an der EURO 2008 kaum ein Spiel verloren und ist für mich klarer Favorit auf den Weltmeistertitel. Zudem würde eine erneute Begegnung mit den Iberern unangenehme Erinnerungen an die 3:0 Niederlage im WM-Achtelfinale 1994 in Washington D.C. wecken. Mexiko hat sich in der Nord- und Mittelamerika-Qualifikation hinter den USA auf dem zweiten Platz durchgesetzt und ist zum fünften Mal in Folge an einer WM-Endrunde dabei. Mit ihrem lateinisch-angehauchten Spielstil sind sie für die Schweiz aber ein gefährlicherer Gegner als beispielsweise die USA, welche eher einen anglo-sächsischen Spielstil pflegt, der den Schweizer Fussballern in der Regel besser entgegenkommt. Aber auch vor der USA müsste man sich in Acht nehmen, ist doch die Mannschaft von Bob Bradley im Juni 2009 nach einem Sieg über Europameister Spanien bis ins Finale des Konföderationen-Pokals vorgestossen, wo sie sich Brasilien nach einem intensiven Spiel nur mit 2:3 geschlagen geben mussten. Die Elfenbeinküste halte ich – wie oben erwähnt – für den stärksten möglichen Gegner aus Lostopf 3.
Der “Final Draw” in Kapstadt verspricht auf jeden Fall höchste Spannung. Gegen 200 Millionen Menschen werden diese Zeremonie (ab 18:00 MEZ) vor den Fernsehgeräten verfolgen, die u.a. von der Oscar-Preisträgerin Charlize Theron begleitet wird. Als weitere Höhepunkte werden der südafrikanische Staatspräsident Jacob Zuma, Nelson Mandela per Videobotschaft und verschiedene berühmte afrikanische Künstler mit Show-Einlagen auftreten.